Das Konzept

Konzept und Unterzeichner - Stand: 18.01.2019 (PDF)

 

Zusammenfassung

 

Das Palais am Festungsgraben am Boulevard Unter den Linden ist eines der repräsentativsten Bauwerke in der historischen Mitte Berlins. Es befindet sich im Besitz des Landes Berlin. Seine prächtigen Säle werden kulturell und gastronomisch, die übrigen Räume von einer Vielzahl heterogener Mieter als Dienstleistungs­büros genutzt. Jedoch ist ein kohärentes Nutzungskonzept nicht erkennbar; Zustand und Nutzung des Hauses entsprechen nicht seinem Wert und seiner Lage.

 

Wegen seines hohen Sanierungsbedarfs von ca. 20-25 Millionen € ist der Buchwert des Gebäudes mit null € veranschlagt. Die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) ist beauftragt, für das Gebäude einen oder eine kleine Anzahl von Mietern zu finden, die es im weitesten Sinne kulturell nutzen sollen.

 

Der zentralen Hauptstadtlage und der Nachbarschaft international bedeutender und ausstrahlender Institutionen wie den Museen von Weltrang, der Humboldt-Universität, der Staatsoper Unter den Linden und insbesondere dem künftigen Humboldt Forum mit den Dahlemer Sammlungen kann in Zukunft nur eine international und am öffentlichen Interesse ausgerichtete Nutzung gerecht werden.

 

Das Palais am Festungsgraben sollte als ein "Haus für die Vereinten Nationen" Verbindungs- und Informationsbüros für VN‑Unterorganisationen und -Programme sowie Büros anderer internationaler Organisationen, ihrer deutschen Sektionen und Organisationen der Zivilgesellschaft beherbergen, die im VN‑Kontext arbeiten, und ihnen als Veranstaltungsort dienen.

 

Diese Büros sollen die Arbeit ihrer Organisationen in der Öffent­lich­keit vermitteln und als Dialogpartner für Staat, Wirt­schaft, Wissenschaft und Gesellschaft zur Verfügung stehen. Sie sollen vor allem die fachlich interessierte Öffentlichkeit ansprechen und helfen, Zugang zum Apparat der VN‑Organisationen und ihren bedeutenden Informations­ressourcen herzustellen. Damit sollen sie das Regionale VN‑Informationsbüro (UNRIC) für Westeuropa in Brüssel/Bonn und die VN‑Depotbibliotheken in Berlin und Potsdam komplementieren.

 

Auf diese Weise hätte die Berliner und deutsche Öffentlichkeit die Möglichkeit, sich in weitaus besserer Weise mit dem Wirken dieser Organisationen vertraut zu machen, ohne die das Welt­system nicht mehr funktionieren würde. Die Vereinten Nationen würden in Berlin lokalisierbar und von einer fernen Bürokratie zu einer konkreten Realität werden. Dies wäre ein großer Schritt, ihre Wert­schätzung und Relevanz in Deutschland zu erhöhen.

 

Als Kompetenzzentrum mit Ausrichtung an der internationalen Agenda, insbesondere den Nachhaltigkeits­zielen (Agenda 2030), soll das "Haus für die Vereinten Nationen" ins Humboldt Forum hineinwirken, aber auch im Dialog mit der Zivilgesellschaft ein Forum zum Nachdenken über die Zukunft der Vereinten Nationen selbst und damit des Weltsystems werden.

 

Die Geste, den Vereinten Nationen zu ihrem 70. Geburtstag eines der repräsentativsten Gebäude der Stadt in zentraler Lage zu widmen, und das mit ihr zum Ausdruck kommende Bekenntnis zur Einbettung in inter­nationale Strukturen könnte in New York, aber auch in den Hauptstädten der Welt nicht übersehen werden. Der außenpolitische Gewinn eines Hauses für die Vereinten Nationen wäre für Deutschland und Berlin zweifellos enorm und dauerhaft.

 

Das Erbe der Vergangenheit

 

Das Palais am Festungsgraben, gelegen zwischen der Humboldt-Universität und dem Deutschen Historischen Museum (ehem. Zeughaus) etwas zurückgesetzt hinter der Neuen Wache, gehört zur Reihe der Prachtbauten am Boulevard Unter den Linden und ist eines der repräsentativsten Bauwerke in der historischen Mitte Berlins.

 

Den dreigeschossigen spätklassizistischen Bau des heutigen Palais mit dorischem Säulenvorbau und Balkon errichtete 1751‑1753 Christian Friedrich Feldmann auf dem Terrain des Leibgardebollwerks der Festungs­anlage. Das Grundstück hatte der König per Order dem Kammerdiener Johann Gottfried Donner übertragen. Dieser bezog mit der Familie seiner Tochter das Erd- und Sockelgeschoß und betrieb mit dem Schwiegersohn auf dem Hof einen Holzhandel.

 

Nachdem die königliche Finanzverwaltung 1794 das Hôtel Donner gekauft hatte, dienten die oberen Räume als Dienstwohnung für den Preußischen Finanzminister und von 1804 bis 1807 für dessen Nachfolger Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein. 1808 wurde das Haus auch Amtssitz des Preußischen Finanz­ministeriums. 1934 wurde im Erdgeschoß der von Schinkel gestaltete Saal des abgerissenen Weydinger­hauses (Unterwasserstraße) eingebaut.

 

Nach Kriegsende ließ die Sowjetische Militäradministration in Deutschland das Gebäude instandsetzen und umbauen und nutzte es anschließend für ihre Zwecke. 1947 öffnete der Bau als Haus der Kultur der Sowjet­union, ab 1950 war er Zentrales Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft. 1987–1990 umfassend restauriert, ging er nach der Wiedervereinigung in den Besitz des Bezirks Berlin-Mitte über. Unter dem neuen Namen „Palais am Festungsgraben“ wird es kulturell, museal und gastronomisch, aber auch durch Dienstleistungsfirmen rein wirtschaftlich genutzt. Es steht außen und innen unter Denkmalschutz.

 

Der gegenwärtige Zustand

 

Zur Zeit befindet sich das Palais in einem Zustand, den man zwischen „vernachlässigt“ und „beklagenswert“ einordnen kann. Dies steht in schmerzhaftem Widerspruch zu seiner einmaligen Lage und seinem Potential im Herzen des historischen Berlin zwischen Museumsinsel, Humboldt-Universität und Staatsoper.

 

Das Palais weist schwere Baumängel auf. Die durch die Erschütterungen beim Bau des benachbarten Pei‑Baus entstandenen Risse sind noch nicht behoben. Die Wasser- und Stromleitungssysteme sind marode. Die Toiletten stammen noch aus DDR-Zeiten; die Abwasserrohre sind dringend ersatz­bedürftig. An den Außenwänden des Gebäudes zieht Feuchtigkeit hoch. Die Restaurierung ist nur teilweise erfolgt oder miss­lungen. Das große Foyer in der ersten Etage macht einen herunter­gekommenen Eindruck. Die Eingangs­hallen wirken bieder und uninspiriert, die Beleuchtung schafft eine düstere Atmosphäre.

 

Vor einigen Jahren ist das Gebäude vom Bezirk Berlin Mitte ins Vermögen des Landes Berlin übergegangen. Es wird nun von der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), einer hundert­prozentigen Tochter des Landes Berlin, verwaltet. Nicht erst seitdem sind die Räume an eine bunte Palette sehr heterogener Mieter vermietet worden; ein Konzept und/oder ein aktives Management ist nach wie vor nicht erkennbar. Das Gebäude hat Sanierungsbedarf in Höhe von 20-25 Millionen €, sein Buchwert ist mit null € veranschlagt. Im Februar 2013 wurde mit ersten Maßnahmen begonnen; im weiteren Verlauf werden alle Mieter ausziehen müssen. Die BIM ist beauftragt worden, für die Zeit nach der Sanierung einen einzelnen oder wenige kulturaffine Nutzer zu finden; offenbar bisher ohne Erfolg. Bis zu diesem Zeitpunkt besteht eine einmalige Gelegenheit, das historisch wertvolle Gebäude für eine adäquate Nutzung zu sichern und einen Verkauf an private Investoren zu verhindern.

 

Ein Konzept für die Zukunft

 

Aufgrund seiner baulichen und geschichtlichen Bedeutung, seiner Lage und seiner historischen Säle hat das Palais am Festungs­graben das Potential, ein hervorragendes Zentrum haupt­städtischen öffentlichen Lebens zu werden. Dieses Potential ist bisher von der Politik weder erkannt noch genutzt. Um es zu realisieren, ist es entscheidend, ein auf den Charakter und die Möglichkeiten des Palais abgestimmtes und in sich schlüssiges Nutzungskonzept zu entwickeln.

 

Nutzung

 

Insbesondere die historischen Säle legen eine im weiteren Sinne kulturelle Nutzung nahe, die künstlerische, wissenschaftliche, politische und gesellschaftliche Bereiche umfassen und von ihrer wechselseitigen Befruchtung durch Büronachbarschaften profitieren kann. Eine prioritär an der Wirtschaftlichkeit aus­gerichtete Nutzung verbietet sich; sie würde das Palais dauerhaft unter Wert verkaufen und dem Anspruch der Öffent­lichkeit zuwiderlaufen, Zugang zu diesem wertvollen Gebäude zu haben. Der zentralen Hauptstadtlage und der Nachbarschaft international bedeutender und ausstrahlender Institutionen wie den Museen von Welt­bedeutung (als Denkmalensemble UNESCO-Welterbe), der Humboldt-Universität, der Staatsoper Unter den Linden und insbesondere dem künftigen Humboldt Forum mit den Dahlemer Sammlungen kann nur eine international und am öffentlichen Interesse ausgerichtete Nutzung gerecht werden.

 

Das Palais am Festungsgraben sollte in Zukunft als ein "Haus für die Vereinten Nationen" Verbindungs- und Informationsbüros von VN‑Unterorganisationen und -Programmen, anderen inter­nationalen Organisationen oder Büros ihrer deutschen Sektionen sowie Organisationen der Zivilgesellschaft beherbergen, die im VN‑Kontext arbeiten. Dieses Konzept ist analog zu den "VN‑Häusern" gedacht, die auf Initiative des ehemaligen VN‑Generalsekretärs Kofi Annan weltweit etabliert werden, um die Büros der VN‑Unterorganisationen zusammen­zubringen und damit die Vereinten Nationen als ein zusammenhängendes, einheitliches System stärker sichtbar zu machen.

 

Die Büros sollen als eine Art „Botschaften" dienen, die die Arbeit ihrer Organisationen in der Berliner und deutschen Öffentlichkeit erklären und vermitteln, und deren Vertreter als Dialogpartner für Staat, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zur Verfügung stehen. Sie sollen vor allem die fachlich interessierte Öffentlichkeit ansprechen und helfen, Zugang zum Apparat der VN-Organi­sationen und ihren bedeutenden Informationsressourcen herzustellen (Clearinghouse-Funktion).

 

Das System der Vereinten Nationen umfasst derzeit 95 Haupt- und Nebenorgane, Sonder- und Neben­organisationen, Fonds und Programme, Ständige Fach- und Regionalkommissionen, Hauptdienststellen und andere Organe. Viele von ihnen sind weltweit tätig; sie beraten Regierungen, berichten über Entwicklungen auf nationaler und internationaler Ebene, erstellen Studien und führen Projekte durch. Dazu kommen zahlreiche internationale Konventionen, die unter der Ägide der Vereinten Nationen umgesetzt werden. Von all dem erfährt die Öffentlichkeit jedoch wenig, da viele Studien nicht oder nur lokal publiziert werden und die Presse nur über die wichtigsten Ereignisse von allgemeinpolitischem Interesse berichtet, in der Regel beschränkt auf den Sicherheitsrat, Blauhelmeinsätze, humanitäre Katastrophen und Menschenrechts­verletzungen.

 

Die abnehmende Wertschätzung der Vereinten Nationen in Deutschland ist mit Sicherheit auch auf eine weitverbreitete Unkenntnis deren vielfältiger Tätigkeitsfelder und auf die Schwierigkeit zurückzuführen, an Informationen über diese zu gelangen. Auch und gerade die meisten Journalisten sind mit System, Arbeitsweise und Tätigkeiten der Vereinten Nationen und ihrer Sonderorganisationen nicht hinreichend vertraut.

 

Dies liegt allerdings auch an der Komplexität der Materie selbst. Allein eine Übersicht über das System der Vereinten Nationen zu gewinnen, ihre Zuständigkeiten und die Art und Weise ihres Zusammenwirkens zu verstehen, verlangt bereits erhebliche Fachkompetenz. Ohne die Hilfe eines Insiders ist es oft unmöglich herauszufinden, wer was in den Vereinten Nationen tut, welche Dokumente es darüber gibt, und wie man Zugang zu ihnen und erst recht zu ihren Autoren bekommt. Mit dieser speziellen Kompetenz soll das „Haus für die Vereinten Nationen" die in Berlin und Potsdam befindlichen VN‑Depotbibliotheken ergänzen. Diese Bibliotheken führen zwar eine große Zahl offizieller Dokumente und können behilflich sein, diese aufzu­finden, sobald sie einmal identifiziert sind. Unterstützung bei fachlichen Recherchen können sie jedoch nicht leisten.

 

Die Aufgabenstellung des Hauses der Vereinten Nationen ist klar von der des Regionalen VN‑Informations­büros (UNRIC) für Westeuropa in Brüssel/Bonn abzugrenzen; sie soll deren Tätigkeit ergänzen, aber in keiner Weise duplizieren. So soll das Haus zwar Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen durchführen, aber nicht die Funktionen von UNRIC als offizielle Institution für die Ver­breitung von Verlautbarungen der Vereinten Nationen über­nehmen.

 

Durch die Präsenz von VN-Unterorganisationen und -Programmen, aber auch der Weltbank-Gruppe, hätte nicht nur die Berliner und deutsche Öffentlichkeit die Möglichkeit, sich in weitaus besserer Weise mit dem Wirken dieser Organisationen vertraut zu machen, ohne die das Weltsystem nicht mehr funktionieren würde. Diese Büros könnten auch „Lotsen“ für Interessenten sein, um in ihren von außen fast unüberschaubaren Strukturen Berichte, Experten und Entscheidungswege aufzu­finden und den Studierenden der Berliner Universitäten und Hochschulen Publikationen und Kontakte, aber auch Laufbahn­möglichkeiten zugänglich zu machen.

 

Die Vereinten Nationen würden in Berlin lokalisierbar und unversehens von einer fernen, schwer zugäng­lichen Bürokratie zu einer konkreten Realität in Deutschland, und dies im innersten Zentrum der Hauptstadt. Dies wäre ein großer Schritt, die Wert­schätzung und Relevanz der Vereinten Nationen in Deutschland, die seit dem großen kosmopolitischen Aufbruch in den 50er Jahren stetig gesunken sind, zurückzugewinnen und den Grund­gedanken der Vereinten Nationen, der keineswegs überholt ist, wieder präsent zu machen.

 

Neben den VN‑Organisationen sollten sich aber auch zivil­gesellschaftliche Organisationen aus den Bereichen Kultur, Politik, Umwelt und Gesellschaft, die im VN‑Kontext international tätig sind, im Palais am Festungs­graben ansiedeln. Das Spektrum solcher Organisationen soll einerseits so breit wie möglich, andererseits so kohärent sein, dass sie sich gegenseitig befruchten können. Orientierungsrahmen sind dabei das thematische Spektrum des zukünftigen Humboldt Forums sowie der Begriff der Nachhaltigkeit. Neben der Humboldt-Universität als wissenschaftlicher Einrichtung würde damit ein zivil­gesell­schaftliches Kompetenzzentrum mit Ausrichtung an der internationalen Agenda als zweiter – und unentbehrlicher – Dialogpartner für die Diskurse des Humboldt Forums entstehen.

 

Die Vereinten Nationen und die internationale Zivilgesellschaft wären als "dritte Säule" des Humboldt Forums (neben Wissen­schaft und Kultur) von besonderem Nutzen, denn in ihnen werden heute die Themen, die die Menschen weltweit bewegen, kenntnisreich, kulturübergreifend, praxisbezogen und politisch relevant verhandelt, und zwar von hochqualifizierten Fachleuten aus aller Herren Länder. In Bezug auf das Humboldt-Forum ist in allererster Linie die UNESCO zu nennen, aber auch z. B. UNDP, UNEP, FAO, HABITAT, UNU, ILO, WHO, UNICEF, UNHCR, UN Women und die Weltbank. Diese Organisationen würden als Dialogpartner die Gewähr dafür bieten, dass das Humboldt Forum der Gefahr entgeht, sich in der Inszenierung schöner Schauen und wenig geerdeter Diskussionen zu verlieren. Sie sind auch maßgeblich für die Umsetzung der – auch für Deutschland geltenden – Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals; SDG).

 

Das „Haus für die Vereinten Nationen" soll aber auch ein Forum zum Nachdenken über die Zukunft der Vereinten Nationen selbst und damit des Weltsystems werden. Denn mit der Präsenz von sowohl VN- als auch zivilgesellschaftlichen Organisationen unter einem Dach würde auch eine Verständigung über die Reformen befördert, die innerhalb der VN erforderlich sind, um den sich rapide verändernden globalen Rahmenbedingungen gerecht zu werden, die sich insbesondere durch die Informationstechnologie und das Entstehen weltweiter sozialer Netzwerke ergeben.

 

Durch die Unterstützung der Initiative seitens der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN) bringt sich im Zuge der weiteren konzeptionellen Entwicklung ein zivil­gesell­schaftlich verankerter, in Fragen der Vereinten Nationen fachlich kompetenter, starker Partner ein. Die in der DGVN breit vertretene VN-Expertise gibt dem Konzept für das „Haus für die Vereinten Nationen“ eine wertvolle inhaltliche Prägung.

 

Anknüpfend an die jüngere Geschichte des Palais als „Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“, die bis vor kurzem noch durch die Tadschikische Teestube präsent war (welche wieder­erstehen sollte), könnte ein Schwerpunkt bzw. eine Präferenz auf solchen Organisationen liegen, die sich im weitesten Sinne dem Austausch und der Zusammenarbeit mit den Staaten der früheren Sowjetunion und Süd/Osteuropas widmen. Dies ist nicht nur im Sinne der Europäischen Integration dringend geboten, die eine Aufgabe deutscher Politik von höchster Priorität bleibt, sondern würde auch das Profil Berlins insgesamt als Tor zum Osten an zentraler Position international sichtbar stärken.

 

Die diplomatischen Vertretungen derjenigen Staaten, die mangels Mittel nicht über eigene Kulturinstitute oder Veranstaltungsräume in Berlin verfügen, sollten eingeladen werden, ihre kulturellen Veranstaltungen, Empfänge usw. regelmäßig im Palais abzu­halten. Dafür müssten ihnen günstige Konditionen eingeräumt werden. Als Bühnenraum steht das „Theater im Palais“ zur Verfügung; weitere Räume sollten für Ausstellungen vorgesehen werden.

 

Der große Gewinner eines solchen Vorhabens wäre die deutsche Außenpolitik und damit Deutschland als Ganzes. Die Geste, den Vereinten Nationen und der internationalen Zivilgesellschaft eines der repräsentativsten Gebäude der Stadt in herausragender Lage zu widmen, und das mit ihr zum Ausdruck kommende Bekenntnis zur Einbettung in internationale Strukturen könnte in New York, aber auch in den Hauptstädten der Welt nicht übersehen werden. Der außenpolitische Gewinn eines Hauses für die Vereinten Nationen wäre zweifellos enorm und dauerhaft. Der immer noch vorhandene Nimbus der Vereinten Nationen würde die Attraktivität Berlins nicht nur vordergründig steigern, sondern eine Stärkung der internationalen Positionierung der Stadt im Hinblick auf ein friedliches und kooperatives Zusammenleben der Völker bedeuten.

 

Gebäude und Historische Säle

 

Das Palais am Festungsgraben besitzt neben dem zentralen Gebäudeteil zwei Flügel, die auf der Rückseite des Gebäudes einen engen Hof bilden. Während der Ostflügel nach Osten abknickt und in einer Halbrotunde endet, ist der Westflügel kürzer und öffnet sich an seinem Ende in zwei Terrassen zum Garten. Eine versetzte Fortführung erfährt der Westflügel durch das sich unmittelbar anschließende Maxim Gorki Theater.

 

Das Gebäude besitzt drei Stockwerke und ist komplett unter­kellert. Die Bruttogeschossfläche beträgt je etwa 1.200m²; davon sind etwa 800m² Nutzfläche, insgesamt also ca. 2.400m². Von dieser werden etwa 400m² durch die historischen Säle und das Theater und ca. 500m² durch andere Funktionsräume einge­nommen, sodass etwa 1.500m² für Büros verbleiben.

 

Selbstverständlich sollten die historischen Säle des Palais weiterhin für Veranstaltungen von Bezirk, Bund und Land zur Verfügung stehen sowie frei vermietbar bleiben. Insbesondere bei protokollarischen Terminen mit internationalen Gästen – etwa im Rahmen der Berliner Städtepartnerschaften – sollten Senat und Bundesregierung, aber auch staatsnahe Organisationen wie etwa die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, die Deutsche UNESCO-Kommission oder die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen das Palais bevorzugt nutzen. Internationale Gäste der Bundes- und Landesregierung, insbesondere solche aus den Vereinten Nationen, könnten hier ebenso wie Gäste und Vertreter der Botschaften regelmäßig öffentliche Vorträge halten.

 

Weiterhin wäre die Idee eines „Business Clubs“ in einigen der Räume zu erwägen. Damit ist gemeint, dass Organisationen, die in Berlin kein eigenes Büro haben, Mitglied in diesem Club werden, um die Räume in Anspruch nehmen zu können, wenn sich ihre Mitarbeiter in Berlin aufhalten. So würde das Haus täglich mit Leben erfüllt und bald zu einem wichtigen Treffpunkt. Dafür wären Räume mit geeigneter technischer Infra­struktur sowie Möglichkeiten für Gesprächsrunden im kleinen Kreis auszustatten.

 

Daneben sollten Räumlichkeiten für ständige und wechselnde Ausstellungen über die Vereinten Nationen und ihre Tätigkeiten reserviert werden.

 

Die Rechtsform für das Management des Palais ist mit dem Berliner Senat als Eigentümer des Gebäudes zu klären. Möglich wäre längerfristig eine private Körper­schaft mit Beteiligung des Landes Berlin. Das Land würde das Gebäude in diese Körper­schaft einbringen und sich mit einem festen Betrag an den denkmal­schutzbezogenen Unterhaltskosten beteiligen, der in den Landeshaushalt eingestellt wird. Auch der Bund wäre wegen des übergeordneten politischen Interesses an dem Haus aufgefordert, sich einzubringen. Ein solches privatisiertes Management unter öffentlicher Aufsicht hätte gegenüber einem rein öffentlichen Betrieb den Vorteil, dass es einer Selbstverwaltung entspräche und sehr viel flexibler wäre, was Finanzierungs­modelle angeht. Dennoch bliebe das Gebäude unter Kontrolle des Senats.

 

Aufgaben dieser Körperschaft wären die Verwaltung und Instand­haltung des Gebäudes, die hausbezogenen Dienst­leistungen, die Vermietung der Büroräume und des Restaurants entsprechend dem Konzept sowie die Bespielung der Veranstaltungs- und Ausstellungssäle mit erster Priorität an die Mieter im Hause, zweiter Priorität für Veranstaltungen mit inhaltlicher Nähe zum Nutzungskonzept und dritter Priorität für andere Zwecke von öffentlichem Interesse.

 

Berlin, im Mai 2016

 

Initiator

Stephan Dömpke
World Heritage Watch e.V.

 

Erstunterzeichner

Annette Ahme
Schöne Mitte - Schöne Stadt e.V.
ehem. Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin

 

Prof. Dr. Klaus Hüfner
Berliner Komitee für UNESCO-Arbeit e.V.
Ehrenmitglied und ehem. Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission

 

Tom Koenigs
Mitglied des Deutschen Bundestages

 

Prof. Dr. Rolf Kreibich
World Future Council
ehem. Präsident der Freien Universität Berlin
Vorsitzender des „Haus für die Vereinten Nationen e.V.“

 

Hans Krönner
Verband deutscher Bediensteter bei internationalen Organisationen (VDBIO)

 

Peter Spiegel
Genisis-Institut e.V.

 

Prof. Dr. Klaus Töpfer
ehem. Direktor des Institute for Advanced Sustainability Studies, Potsdam
ehem. Bundesminister
Vorsitzender der „Commission on Sustainable Development“ der Vereinten Nationen
ehem. Direktor des United Nations Environmental Programme (UNEP)

 

Dr. Maritta von Bieberstein Koch-Weser
Earth 3000 gGmbH
ehem. Direktorin bei der Weltbank
ehem. Generaldirektorin der „International Union for Conservation of Nature“ (IUCN)

 

Tilman Zülch
Gründer und Ehrenpräsident der Gesellschaft für bedrohte Völker e.V.

 

Konzept und Unterzeichner - Stand: 18.01.2019 (PDF)

 

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